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Kräuter, Harze und Rauch

Räuchern: So beginnst du als Einsteigerin, Schritt für Schritt

Kategorie: RäuchernFür Einsteigerinnen ohne Vorwissen5 Minuten Lesezeit

Ein paar Wacholderbeeren, einige Körner Weihrauch, ein feiner Faden Rauch, der langsam zur Decke steigt. Vielleicht kennst du diesen Duft aus der Kirche oder aus dem Haus deiner Großeltern. Räuchern gehört zu den ältesten Ritualen, die wir kennen, und es ist leichter, als es aussieht.

In diesem Beitrag erfährst du, woher der Brauch kommt, was du für den Anfang brauchst und wie du mit Kohle oder mit einem Stövchen räucherst. Am Ende wartet ein kleines Ritual, mit dem du gleich heute Abend beginnen kannst.

Ein alter Brauch aus Haus und Stall

Im Alpenraum ist das Räuchern eng mit den Raunächten verbunden, den zwölf Nächten zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Jänner. Nach der Universität Innsbruck verdanken diese Nächte ihren Namen wahrscheinlich dem Rauch selbst: In weiten Teilen Tirols war es früher Brauch, in dieser Zeit das ganze Haus auszuräuchern.

Stell dir einen Winterabend in einem alten Bauernhaus vor. Aus dem Herd wird ein wenig Glut geholt und in eine Pfanne gelegt, darauf kommen Weihrauch oder Kräuter, die in der Kirche gesegnet wurden, manchmal auch Zweige vom Palmbuschen. Mit der rauchenden Pfanne zieht die Familie betend von Raum zu Raum, und wer dahinter geht, sprengt Weihwasser in jede Stube. Man glaubte, dass der Rauch alles Unheimliche vom Haus fernhält. Ein Gebet, das alle zusammen sprechen, beendet den Rundgang.

Die Tiere wurden dabei nicht vergessen. Wenigstens eine der Nächte bis Dreikönig zieht der Rauch, so beschreibt es die Österreich Werbung, auch durch den Stall, und meist ist es Weihrauch. Er sollte das Vieh schützen. Lebendig ist der Brauch bis heute in einigen Tiroler Orten, wo man am Heiligen Abend, zu Neujahr oder am Dreikönigsabend mit der Pfanne durchs Haus geht.

Du musst nichts davon genau so übernehmen. Das Räuchern ist ein Ritual der Übergänge, und du darfst es für dich so gestalten, wie es sich stimmig anfühlt.

Was du für den Anfang brauchst

Es gibt zwei Wege, und beide sind gut für den Einstieg. Wähle den, der dir näher ist.

Räuchern auf Kohle

Das ist der klassische Weg, so wie er überliefert ist. Du brauchst eine feuerfeste Schale, etwas Sand als Unterlage, eine Räucherkohle, eine Zange und Streichhölzer. Auf der Kohle entfalten vor allem Harze wie Weihrauch ihren Duft. Es raucht kräftiger und der Duft ist intensiv.

Räuchern auf dem Stövchen

Ein Räucherstövchen ist ein kleines Gefäß mit einem Teelicht unten und einem feinen Sieb oben. Die Kräuter liegen auf dem Sieb und werden sanft erwärmt, statt zu verbrennen. Es entsteht wenig Rauch und ein feiner Duft. Für die Wohnung und für den Anfang ist das oft der angenehmere Weg.

Für beide Wege eignen sich getrocknete Kräuter, Nadeln und Harze aus der Natur, zum Beispiel:

  • Weihrauch
  • Fichtenharz
  • Tannennadeln
  • Fichtennadeln
  • Orangenschalen
  • Hagebutten
  • Wacholderbeeren
Räucherstövchen aus Messing mit brennendem Teelicht

Schritt für Schritt räuchern

So gehst du beim Räuchern auf Kohle vor:

  1. Fülle die Schale mit Sand und stelle sie auf eine feste, hitzebeständige Unterlage.

  2. Halte die Kohle mit der Zange und zünde sie am Rand an. Lege sie dann auf den Sand.

  3. Warte, bis die Kohle durchgeglüht ist und eine helle Ascheschicht trägt. Das dauert einige Minuten.

  4. Lege eine kleine Prise Kräuter oder ein, zwei Körner Harz auf die Kohle. Weniger ist hier mehr.

  5. Lass den Rauch aufsteigen und lege erst nach, wenn der Duft verflogen ist.

Räucherkohle mit Weihrauchkörnern in einer Steinschale, daneben eine Zange

Mit dem Stövchen geht es noch einfacher: Teelicht anzünden, Sieb aufsetzen, ein paar Kräuter darauflegen. Nach kurzer Zeit beginnen sie zu duften. Wenn sie braun werden, hat sich ihr Duft entfaltet und du kannst sie durch frische ersetzen.

Sicher räuchern

Wo Glut und Flamme im Spiel sind, brauchst du Ruhe und Umsicht. Dazu kommt der Rauch selbst: Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Gesundheit gehören Räucherstäbchen zu den Dingen, die die Feinstaubwerte in der Raumluftdeutlich erhöhen können. Räuchere deshalb lieber selten und bewusst als nebenbei.

Dein erstes kleines Räucherritual

Dieses Ritual dauert etwa zehn Minuten. Du brauchst dein Stövchen oder deine Schale und eine Kräuterprise, die dir gefällt.

  1. Wähle einen ruhigen Moment, am besten am Abend. Leg das Handy weg.

  2. Überlege dir eine Frage oder einen Wunsch für die nächsten Tage. Ein Satz genügt.

  3. Zünde Kohle oder Teelicht an und lege deine Kräuter auf. Atme ruhig und schau dem Rauch eine Weile zu.

  4. Geh mit der Schale langsam durch einen Raum, der dir wichtig ist. Sprich deinen Satz leise aus.

  5. Stell die Schale ab, öffne das Fenster und lass mit dem Rauch das Alte hinausziehen.

Häufige Fragen zum Räuchern

Was brauche ich zum Räuchern für den Anfang?

Für den Einstieg reicht ein Räucherstövchen mit Teelicht und ein paar getrocknete Kräuter. Wer auf Kohle räuchern möchte, braucht eine feuerfeste Schale, Sand, Räucherkohle und eine Zange.

Was ist besser, Kohle oder Stövchen?

Auf Kohle raucht es kräftiger, das passt zu Harzen und zum Räuchern durch das Haus. Auf dem Stövchen entsteht weniger Rauch und ein sanfter Duft, das ist für die Wohnung oft angenehmer.

Wann räuchert man traditionell?

Im Alpenraum vor allem in den Raunächten zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Jänner. Einige Orte in Tirol halten den Brauch bis heute lebendig und räuchern am Heiligen Abend, zu Neujahr oder am Dreikönigsabend.

Ist Räuchern in der Wohnung unbedenklich?

Rauch erhöht den Feinstaub in der Raumluft. Räuchere deshalb sparsam, lüfte danach gut und lass Glut nie unbeaufsichtigt.

Quellen: Rauhnacht, Datenbank Feste und Bräuche, Universität Innsbruck; Rauhnachtsbräuche, Österreich Werbung; Feinstaub in der Innenraumluft, Bundesamt für Gesundheit (Schweiz); Räucherkegel selber machen, SalzburgerLand Magazin; Vom Rachn gehn zwischen die Feiertog im Lavanttal, MeinBezirk.

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