- Startseite
- Blog
- Raunächte
Rituale, Räuchern und Wünsche
Raunächte: Bedeutung, Ursprung und Rituale für die zwölf heiligen Nächte
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
- 10
- 11
- 12
Zwischen Heiligabend und dem 6. Januar liegen zwölf besondere Nächte: die Raunächte. Seit Jahrhunderten gelten sie als Zeit zwischen den Jahren, in der die Welt ein wenig stiller wird und der Schleier zur anderen Seite dünner sein soll. Viele Menschen nutzen sie heute, um das alte Jahr in Ruhe loszulassen und sich auf das neue einzustimmen.
In diesem Beitrag erfährst du, was die Raunächte bedeuten, woher sie kommen und wann sie genau stattfinden. Du lernst die zwölf Themen der Nächte kennen und bekommst einfache Rituale an die Hand, mit denen du gleich beginnen kannst. Du brauchst dafür kein Vorwissen, nur ein wenig Zeit am Abend.
Was sind die Raunächte? Bedeutung und Ursprung
Die Raunächte sind zwölf Nächte rund um den Jahreswechsel, die im alten Brauchtum als Zeit außerhalb der Zeit galten. Besonders im Alpenraum werden sie bis heute gefeiert. Du findest sie je nach Gegend auch als Unternächte, Innernächte, Glöckelnächte, Rauchnächte oder, in der alten Schreibung, als Rauhnächte.
Zeit zwischen den Jahren
Die Überlieferung erklärt diese Nächte mit zwei Kalendern, die nicht ganz zusammenpassen. Der Mond braucht für zwölf Umläufe 354 Tage, die Sonne für ihren Weg 365. Man glaubte, dass die Lücke von elf Tagen und zwölf Nächten außerhalb jeder Jahreszählung lag. Wer heute sagt, sie habe „zwischen den Jahren“ frei, greift auf genau dieses Bild zurück.
Woher der Name kommt
Woher das Wort stammt, ist nicht ganz geklärt. Eine Spur führt ins Mittelhochdeutsche, wo „rûch“ haarig bedeutete. Dabei denkt man an zottelige Wesen, die nach alten Erzählungen in diesen Nächten unterwegs waren. Die andere Spur führt zum Rauch: Man glaubte, dass Kräuterrauch in den Wohnräumen und bei den Tieren Segen bringt und Ungutes vertreibt.
Frau Holle, Perchta und die Wilde Jagd
In den alten Sagen sind diese Nächte voller Bewegung. Man erzählte sich, dass die Wilde Jagd nachts durch die Lüfte fuhr. Auch Frau Holle und Frau Perchta sollen unterwegs gewesen sein, um zu sehen, ob in Haus und Hof alles seine Ordnung hat. Manches davon lebt bis heute weiter, in Österreich und Bayern zum Beispiel in den Perchtenläufen.
Eine Nacht, ein Monat
Die Überlieferung ordnet jeder Raunacht einen der zwölf Monate im neuen Jahr zu: Die erste gehört zum Januar, die zwölfte zum Dezember. Man glaubte deshalb, dass Träume, Wetter und Stimmung einer Nacht etwas über ihren Monat verraten, und schrieb sie auf.
Wann sind die Raunächte?
Die Raunächte beginnen in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und enden in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, schließt sich der Kreis. Diese Daten gelten jedes Jahr gleich, du musst sie also nicht neu nachschlagen.
Nicht überall wird gleich gezählt. Mancherorts startet die Raunachtzeit bereits mit der Thomasnacht am 21. Dezember, wenn Wintersonnenwende ist, anderswo erst am 25. Dezember. Du darfst die Raunächte frei für dich gestalten: Wähle die Zählung, die sich für dich stimmig anfühlt, und bleib dann bei ihr.
Vier Nächte heben sich nach altem Brauch von den übrigen ab:
- 21. auf 22. DezemberThomasnacht
Die Nacht der Wintersonnenwende
- 24. auf 25. DezemberChristnacht
Hier beginnen die zwölf Raunächte
- 31. Dezember auf 1. JanuarSilvesternacht
Das alte Jahr geht, das neue beginnt
- 5. auf 6. JanuarPerchtennacht
Mit ihr schließt sich der Kreis
Die 12 Raunächte und ihre Themen
Jede Raunacht hat ein eigenes Thema und gehört zu einem Monat des neuen Jahres. Eine Frage pro Abend genügt, um mit dem Thema in Berührung zu kommen. Nimm dir ein Notizbuch und schreib auf, was dir dazu einfällt.
1. Raunacht
Ankommen
24. auf 25. Dezember
steht für den Januar
Was brauche ich, um in dieser Zeit wirklich anzukommen?
2. Raunacht
Zu den Wurzeln
25. auf 26. Dezember
steht für den Februar
Was haben mir meine Familie und meine Herkunft mitgegeben?
3. Raunacht
Herzensebene
26. auf 27. Dezember
steht für den März
Was wünscht sich mein Herz gerade am meisten?
4. Raunacht
Bewusst innehalten
27. auf 28. Dezember
steht für den April
Wo darf ich im neuen Jahr langsamer werden?
5. Raunacht
Verbundenheit
28. auf 29. Dezember
steht für den Mai
Mit wem und womit fühle ich mich verbunden?
6. Raunacht
Abschied und Rückblick
29. auf 30. Dezember
steht für den Juni
Was darf ich im alten Jahr zurücklassen?
7. Raunacht
Dankbarkeit
30. auf 31. Dezember
steht für den Juli
Wofür bin ich in diesem Jahr dankbar?
8. Raunacht
Neubeginn
31. Dezember auf 1. Januar
steht für den August
Womit möchte ich das neue Jahr beginnen?
9. Raunacht
Wünsche segnen
1. auf 2. Januar
steht für den September
Welche Wünsche trage ich ins neue Jahr?
10. Raunacht
Ins Tun kommen
2. auf 3. Januar
steht für den Oktober
Welchen ersten kleinen Schritt kann ich gehen?
11. Raunacht
Vertrauen
3. auf 4. Januar
steht für den November
Worauf darf ich vertrauen, auch wenn ich den Weg noch nicht sehe?
12. Raunacht
Den Bogen schließen
4. auf 5. Januar
steht für den Dezember
Wie möchte ich mich am Ende des neuen Jahres fühlen?
Viele Frauen schreiben in jeder Raunacht auch ihre Träume auf. Man glaubte, dass der Traum einer Raunacht vom Monat erzählt, der zu ihr gehört. Ob du das wörtlich nimmst oder als Anregung zum Nachdenken, entscheidest du selbst.
Rituale für die Raunächte
Für ein Raunacht-Ritual reichen 15 bis 20 Minuten am Abend, eine Kerze und ein ruhiger Platz. Die folgenden drei Rituale sind die bekanntesten und eignen sich gut für den Einstieg.
Das Ritual der 13 Wünsche
Kaum ein Brauch rund um die Raunächte ist heute so verbreitet wie dieser. Zwölf Wünsche gibst du ab und überlässt sie dem Universum. Einer bleibt bei dir, und für ihn übernimmst du selbst die Verantwortung.
Nimm dir vor dem 24. Dezember einen ruhigen Moment und halte 13 Wünsche für das neue Jahr fest, jeden auf einem eigenen kleinen Zettel. Schreib jeden Wunsch so auf, als wäre er bereits Wirklichkeit.
Falte alle Zettel auf dieselbe Art, damit du sie nicht unterscheiden kannst, und sammle sie in einer Schale oder einem Glas.
An jedem der zwölf Abende greifst du blind einen Zettel heraus. Ungelesen übergibst du ihn in einer hitzefesten Schale dem Feuer.
Am 6. Januar liegt nur noch ein Zettel im Glas. Ihn faltest du auf: Das ist dein dreizehnter Wunsch, und für ihn sorgst du im neuen Jahr selbst.
Räuchern in den Raunächten
Vermutlich hat das Räuchern den Raunächten ihren Namen gegeben. Du kannst damit einen Raum bewusst abschließen oder einen Abend einleiten. Gern verwendet werden Weihrauch, Beifuß, Wacholder, Salbei und Fichtenharz.
- Weihrauch
- Beifuß
- Wacholder
- Salbei
- Fichtenharz
- Stell eine hitzefeste Schale mit etwas Sand bereit und bring darin eine Räucherkohle zum Glühen.
- Gib eine kleine Prise Kräuter oder Harz auf die glühende Kohle.
- Geh in Ruhe von Raum zu Raum und bleib dort einen Augenblick stehen, wo es dich hinzieht.
- Öffne zum Schluss ein Fenster und bleib in der Nähe, solange noch Glut in der Schale ist.
Traumtagebuch und Rückblick
Halte dein Notizbuch griffbereit am Bett. Bevor du morgens aufstehst, notierst du ein paar Stichworte zu deinen Träumen, auch wenn es nur ein Bild oder ein Gefühl ist. Am Abend schaust du mit der Frage der jeweiligen Raunacht auf das alte Jahr zurück. So entsteht über zwölf Nächte ein kleiner Begleiter für dein neues Jahr.
Alte Regeln aus dem Brauchtum
Man glaubte, die Wilde Jagd könne sich in Laken und Hemden verheddern, die draußen trocknen. Deshalb blieb die Wäsche in diesen Nächten lieber im Korb. Auch von Streit, großem Putzen und Glücksspiel riet die Überlieferung ab. Viele lesen diese alten Regeln heute als freundlichen Hinweis, es zwischen den Jahren ruhiger angehen zu lassen.
Raunächte vorbereiten: deine Checkliste
Am schönsten werden die Raunächte, wenn du vor dem 24. Dezember alles beisammen hast. Mit dieser Liste bist du gut vorbereitet:
Häufige Fragen zu den Raunächten
Wann beginnen die Raunächte?
Die erste Raunacht ist die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Die zwölfte Raunacht ist die Nacht vom 4. auf den 5. Januar, am 6. Januar endet die Raunachtzeit. In manchen Regionen zählt man ab der Thomasnacht am 21. Dezember.
Heißt es Raunächte oder Rauhnächte?
Beide Schreibweisen sind richtig. „Rauhnächte“ ist die ältere Form, „Raunächte“ die Schreibung nach der Rechtschreibreform. Gemeint sind dieselben zwölf Nächte.
Was darf man in den Raunächten nicht tun?
Die Überlieferung kennt einige Regeln für diese Zeit: Man hängte keine Wäsche auf, mied Streit und verschob große Putzaktionen. Es sind alte Bräuche, und du entscheidest selbst, was du davon übernimmst. Vielleicht nimmst du sie als Anlass, dir in diesen Tagen Ruhe zu gönnen.
Was ist das Ritual der 13 Wünsche?
Du hältst 13 Wünsche auf einzelnen Zetteln fest. In jeder Raunacht verbrennst du einen davon ungelesen. Der Zettel, der am 6. Januar übrig ist, trägt deinen dreizehnten Wunsch. Für ihn sorgst du im neuen Jahr selbst.
Kann ich auch später mit den Raunächten beginnen?
Ja. Wenn du eine Nacht verpasst, holst du sie einfach am nächsten Abend nach oder steigst dort ein, wo du gerade bist. Du feierst die Raunächte in deinem eigenen Tempo.
Brauche ich Vorwissen für die Raunächte?
Nein. Eine Kerze, ein Notizbuch und 15 Minuten am Abend genügen für den Anfang. Alles Weitere entdeckst du Nacht für Nacht.

E-Book mit Workbook
Dein Weg durch die Raunächte
Die Raunächte schenken dir zwölf ruhige Abende, um das alte Jahr loszulassen und mit Zuversicht ins neue zu gehen. Ein Thema, eine Frage und ein kleines Ritual pro Nacht reichen dafür völlig aus.
Bei The School of Rituals sagen wir: Die Natur ist die Schule, die Kerze das Ritual, der Bogen das Tor.
Wenn du dir für jede Nacht eine Begleitung wünschst, hilft dir unser E-Book „Voller Zuversicht ins neue Jahr“. Darin findest du die Geschichte der Raunächte, das Ritual der 13 Wünsche, Räuchern für Einsteigerinnen und ein Ritual für alle zwölf Nächte. Das Workbook zum Ausdrucken bekommst du dazu, damit du deine Träume und Wünsche an einem Ort sammelst.
Hol dir deinen Begleiter für die Raunächte